Wie wird man Drehbuchautor?Interview mit Clemens Weishaupt, Drehbuchautor für RTL und ZDF
Drehbuchautor Clemens Weishaupt beschreibt Möglichkeiten, professionell Drehbücher zu vermarkten. Seiteneinsteiger bekommen Tipps zum erfolgreichen Verkauf der Bücher.
Drehbuchautoren beim Fernsehen verdienen eine Menge Geld. Glaubt der Zuschauer jedenfalls, wenn er die Zahl der aktuellen Produktionen und Wiederholungen sieht. Und bei der mageren Qualität denkt so mancher oft: Das kann ich auch. Oder sogar besser. Eigentlich dürfte Drehbuch schreiben ja nicht so schwer sein - aber wie wird man denn überhaupt TV-Autor? Clemens Weishaupt, erfolgreicher Autor von Formaten wie Dokufictions ( "Die Anwälte der Toten",) oder Kinderformaten ("Sesamstrasse" ,"Eins, zwei, drei"), gibt uns Auskunft. Herr Weishaupt, wie wird man eigentlich Drehbuchautor?Im Prinzip gibt es mehrere Wege, Autor zu werden. Eine fundierte und anerkannte Ausbildung bieten verschiedene Filmhochschulen an. Die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam (HFF), die Filmhochschule in Köln (IFS) und die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg gehören zu den Einrichtungen, die einen sehr guten Ruf genießen. In allen Hochschulen gibt es Fachstudiengänge für Drehbuch, aber auch für Kamera, Regie usw. Allerdings besteht zwischen der Zahl der Bewerber und der angebotenen Studienplätze ein deutliches Missverhältnis. So kommen auf die 18 Studienplätze der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie in Berlin) regelmäßig mehr als 500 Bewerber. Kein Wunder, dass es viele Interessenten über einen Quereinstieg versuchen. Und wie sieht so ein Quereinstieg aus?Dafür gibt es keinen genau festgeschriebenen Weg. Die Gruppe der Quereinsteiger besteht zum großen Teil aus Leuten, die völlig fremde Fächer studiert haben. Ein Kollege und guter Freund von mir ist zum Beispiel Diplom-Betriebswirt. Als er dann nach ein paar Berufsjahren gemerkt hat, dass er in diesem Job nicht glücklich wird, hat er angefangen, bei Filmproduktionen zu jobben und alles gemacht, was anfiel - vom Laiendarsteller bis zum Producer-Assi. Und dann irgendwann die Chance bekommen, für eine Soap zu schreiben. Ich persönlich habe auch eine recht krumme Berufsbiografie. Aber ich denke, das ist auch ein Vorteil. Schließlich geht es ja darum, das Leben abzubilden. In all seinen Facetten. Und da sind 25-Jährige, die nur Schule und Uni kennengelernt haben, ganz klar im Nachteil. Ein Studium muss also nicht unbedingt sein?Nein. Es gibt viele Kollegen, die nie eine Uni von innen gesehen haben, mich eingeschlossen. Ich persönlich glaube auch, dass nicht jeder ein Gespür für gute Geschichten entwickeln kann. Da können auch noch so viele Semester nicht helfen. Dialoge zu schreiben ist eine Fähigkeit, die man nur sehr schwer lernen kann. Was mache ich denn, wenn ich glaube, den nächsten oscarwürdigen Stoff im Kopf zu haben?Ihn in Exposéform bringen, also auf 10 bis 15 Seiten, und einer Produktionsfirma anbieten, der man den Stoff zutraut, die also ähnliche Geschichten erfolgreich umgesetzt hat. Auf keinen Fall gleich ein ganzes Buch einsenden, das liest kein Mensch. Ich glaube, wir alle machen uns keine Vorstellung, wie viele Vorschläge auf den Tischen der Produzenten landen. Umschreiben wird man die ganze Sache außerdem noch oft genug. Braucht man denn keine Angst zu haben, dass einem die geniale Idee geklaut wird?Eher nicht. Ideen zu klauen macht in diesem Geschäft überhaupt keinen Sinn. Zum einen, weil der Produzent ja doch jemanden braucht, der den Stoff ausarbeitet und zum anderen ist unser Honorar im Vergleich zu den Gesamtkosten einer Produktion so gering, dass niemand auf die Idee kommt, sich wegen 15 bis 25.000 Euro ins Unrecht zu setzen. Leider können wir in Deutschland von den Gagen der Amis nur träumen. Wer also richtig reich werden will, sollte es gleich in Hollywood versuchen. Oder sich lieber etwas anderes überlegen. Vielleicht Chef bei der deutschen Post werden. Und wenn ich es nicht nach Hollywood schaffe?Bleibt immer noch die Möglichkeit, für Serien, Shows usw. zu arbeiten. Das läuft meistens so ab, dass man ein Probebuch zu einer Folge schreibt, das allerdings nicht bezahlt wird. Ist man gut genug und besteht wirklich Bedarf an neuen Autoren, kommt man in einen Pool, der im Writers Room die Outlines der Storyliner zu Dialogbüchern macht. Sie sehen schon, ohne englische Fachausdrücke geht in diesem Metier überhaupt nichts. Ein Soap-Buch wird übrigens mit ca. € 1.500,- entlohnt. Man muss also schon 2 im Monat machen, um nicht allzu dürftig leben zu müssen. Dann heißt es durchhalten, und nach zwei Jährchen darf man dann anklopfen und fragen, ob man auch mal als Outliner ran darf. Gibt es Literatur, die Sie empfehlen würden?Klar, es gibt eine Menge guter Bücher übers Drehbuchschreiben. Und eins, an dem man eigentlich nicht vorbei kommt: "Story" von Robert McKee. Wer das gelesen und vor allem kapiert hat, hat schon eine ganze Menge drauf. Wer übrigens allzu große menschliche Erwartungen an das Filmgewerbe hat, darf sich ruhig einmal "The Player" mit Tim Robbins anschauen und dabei besonders auf die beiden Kollegen achten, die hier vorkommen. Und auf was sollte man sonst noch achten?Was nie schaden kann, ist einen Partner zu haben, der in einer unkündbaren Festanstellung arbeitet. Oder einen Taxischein. So ist die Gefahr zu verhungern deutlich kleiner. Im Ernst: Für Naturen mit großen Sicherheitsbedürfnis ist der Job absolutes Gift.
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